Die aktuelle Finanzkrise und ihre Auswirkungen
Was bedeutet sie für die Wirtschaft, die Menschen
und wie kann der Staat eingreifen?
 |
Die Finanzkrise 2008 nahm ihren Anfang mit
der Immobilienkrise in den USA, deren erstes
deutliches Zeichen die Talfahrt der Aktienkurse
der beiden größten US-amerikanischen
Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac
war, die bereits im August 2007 begann. Schon
seit Jahren wurden Kredite (wie z. B. Baufinanzierungen)
an Kunden vergeben, deren Sicherheiten nicht
ausreichten, um eine fristgerechte Rückzahlung
zu gewährleisten.
Anfang September 2008 standen Fannie Mae und
Freddie Mac unmittelbar vor dem Konkurs. Der
völlige Zusammenbruch der beiden Kreditinstitute
hätte die Existenz von etwa 4 Millionen
US-Bürgern bedroht und wurde nur dadurch
verhindert, dass die US-Regierung die zeitweilige
Kontrolle der beiden Hypothekenfinanzierer
übernahm.
|
Doch das konnte den Ausbruch der
Finanzkrise 2008 nicht mehr verhindern. Wie Dominosteine
fielen plötzlich mehrere Finanzunternehmen nacheinander
um: Mit der Investmentbank Lehmann Brothers kam auch
der Versicherungskonzern AIG (American International
Group) zu Fall, bei dem sich die großen Kreditinstitute
wie Lehmann Brothers gegen die Pleiten, die sie
jetzt erlitten, versichert hatten.
Auch hier wurde versucht, das Schlimmste zu verhindern.
Die US-Notenbank Fed (Federal Reserve System) kam
der AIG mit einem Notfallkredit in zweistelliger Milliardenhöhe
zu Hilfe und die britische Barclays Bank übernahm
Teile von Lehmann Brothers. Doch selbst das konnte
die Finanzkrise nicht stoppen. Ende September stand
auch die einst führende amerikanische Spar- und
Kreditbank Washington Mutual, deren Sitz in Seattle
im nordwestamerikanischen Bundesstaat Washington ist,
vor der Pleite.
Die Krise weitete sich schnell nach
Europa aus. In Deutschland sanken die Kurse der Immobilienbank
Hypo Real Estate in den Keller. Auch hier vermochte
nur noch ein milliardenschwerer Kredit der Bundesregierung
das schwer angeschlagene Unternehmen zu retten.
Anfang Oktober mussten die großen
britischen Banken Lloyds, Royal Bank of Scottland
und sogar Barclays, die sich vor kurzem noch für
Lehmann Brothers engagiert hatte, die britische Regierung
um finanzielle Unterstützung bitten. Europaweit
sorgen sich die Menschen um ihre Spareinlagen. Angesichts
der weiter bestehenden Krise pumpt die Europäische
Zentralbank (EZB) kräftig Geld in den Markt.
Mit 250 Milliarden Euro wurde den Banken ausgeholfen.
Die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten
wollen allen Sparern verbindlich die Sicherheit ihrer
Guthaben garantieren. Um zu verhindern, dass sich
Alleingänge einzelner Länder negativ auf
andere EU-Staaten auswirken, hat die EU-Kommission
darüber beraten, für alle Mitgliedsländer
einheitlich eine Einlagensicherung von 100.000 Euro
pro Person festzulegen.
Doch nicht nur die Anleger und Sparer sind beunruhigt.
Auch um ihre Arbeitsplätze sorgen sich die Menschen.
Die allgemeine Unsicherheit führt dazu, dass weniger
Geld ausgegeben wird.
- Dadurch kam es zu deutlichen Absatzrückgängen
bei Opel und Ford in Deutschland. Deshalb legt Opel
mehrere Produktionsstätten mit weit über
1000 Mitarbeitern vorübergehend still. Ford
will 204 Leiharbeiterverträge vorfristig kündigen.
Die Automobilbranche ist aber nicht die einzige,
die von der Finanzkrise indirekt betroffen ist.
- Auch die Unternehmensleitung des Softwareunternehmens
SAP spricht davon, dass das Unternehmen Ende September
einen "abprupten und unerwarteten Abschwung"
erlebt hat.
- Der Computerhersteller Hewlett-Packard plant,
in Deutschland 1.400 Stellen zu streichen und die
Textilkette Sinn-Leffers beabsichtigt, mehrere Warenhäuser
zu verkaufen und etwa 1.000 Arbeitsplätze abzubauen.
- 08.10.2008: Island steht kurz vor dem Staatsbankrott.
Es kursieren Meldungen über eine mögliche
Finanzspritze Russlands.
- 14.10.2008: Deutschland, Frankreich und Großbritannien
beschließen Rettungspakete in Milliardenhöhe,
um die Banken zu retten. Die Bundeskanzlerin sagte
einen Paket in Höhe von 400 Milliarden Euro
zu.
- 16.10.2008: Die 27 EU-Staaten beschließen
einen Banken-Rettungsplan und streben einen Weltfinanzgipfel
für die Zkunft an. Zusätzlich ist ein
EU-Krisentstab vorgesehen, in dem sich jeden Monat
einmal die 27 Länder zusammenfinden sollen.
- 16.10.2008: Die staatlichen Rettungsversuche scheinen
das Vertrauen nicht wiederherstellen zu können.
Die Börsenkurse in Europa und den USA gehen
weiter nach unten. Die New-Yorker Börse verzeichnet
den schwärzesten Tag seit 20 Jahren.
- 18.10.2008: Das Rettungspaket für die Banken
in Höhe von 480 Milliarden Euro ist unter Dach
und Fach und steht den deutschen Banken ab Montag,
dem 20.10.2008 zur Verfügung.
-
01.01. 2009: Die Wirtschaftskrise
2009 ist nun nicht mehr aufzuhalten. Erstmals
sind auch direkte Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
zu verzeichnen, wie die aktuelleten Zahlen belegen.
Die europäischen Regierungen schmieden weiterhin
an Konjunkturplänen und Rettungsversuchen.
Ebenso die Bundesregierung, deren Vorschläge
sich aber inzwischen mehr am Wahlkampf zur Bundestagswahl
2009 zu orientieren scheinen, als an der tatsächlichen
Krisensituation. Bleibt abzuwarten, welche Maßnahmen
ergriffen werden und wie sie sich auswirken.
- 08.01.2009: Die Commerzbank wird zu 25 % verstaatlicht,
da sie durch die Übernahme der Dresdner Bank
und deren faulen Kredite ein 10 Milliarden Rettungspaket
von der Bundesregierung in Anspruch nehmen muss..
- Welche Konjunkturpakete die europäischen
Staaten umsetzen wollen, sehen Sie unter tagesschau.de
>>
- 02.04.2009: Der G20 Gipfel in London beschließt
größtes Konjunkturpaket aller Zeiten.
1,1 Billionen Dollar werden den Finanzmärkten
weltweit zur Verfügung gestellt, um das Vertrauen
der Banken untereinander wieder aufzubauen und die
Wirtschaft anzukurbeln. Hedgefonds werden künftig
einer strengen Regulierung unterzogen und sogenannte
Steueroasen in eine Blacklist gesetzt und veröffentlicht.
Die Bundesregierung will der Situation
mit klassischem Krisenmanagement begegnen, sowie eine
neue Systematik für das Zusammenwirken Aller
im Finanzsektor entwickeln, also eine Zukunftsperspektive
gestalten, um präventiv vorgehen zu können.
Das gab sie in einer offiziellen Regierungserklärung
bekannt.
|